
Das Manifest gegen den einseitigen Positivismus - Das Buch in einer praegnanten Rezension zusammenzufassen moechte ich mir nicht zumuten, allzuviele Subideen geistern darin herum. Diese Rezension soll also vielmehr einordnen, in welche Richtung dieses Buch weist und dem interessierten Leser somit einen ersten Zugang ermoeglichen. Horkheimer und Adorno schreiben in ihrer Dialektik der Aufklaerung ein Manifest gegen den aufkeimenden Positivismus der 20er Jahre (Wiener Kreis) und der Folgezeit (Popper). Waehrend die logischen Empiriker und Positivisten sich allzusehr dem Gegebenen, dem Empirischen verschrieben und alle Metaphysik a priori verdammten (was nicht messbar ist, davon ist nicht zu sprechen), wandten sich Horkheimer und Adorno noch einmal der Frage zu, inwiefern dieser scheinbar wissenschaftliche Zweig der Philosophie als solcher ueberhaupt gerechtfertigt ist - und somit der Frage, ob denn der Positivismus nicht in sich auch eine Metaphysik sei, also ein durchaus austauschbarer Zweig, eine Moeglichkeit statt eine Wahrheit .In ihrem hier vorliegenden Werk stellen sie dar, inwiefern die moderne wissenschaftliche Philosophie sich selbst begrenzt und inwiefern sie - zumindest in der einseitig extremen Form des Positivismus - eine Rueckkehr darstellt, mehr als einen Fortschritt.Das Buch ist schwierig zu lesen - finde ich zumindest - da es keine Einleitung in das Gebiet darstellt, sondern von Anfang an eine erhitzte subjektive intrinsische Debatte bietet, in die ein allzu sorglos wandernder Leser vielleicht ein wenig verloren blicken mag.Liest man aber mutig weiter und ergaenzt die Lektuere vielleicht mit einigen Schriften beispielsweise des Wiener Kreises, so versteht man bald, aus welcher Haltung Adorno und Horkheimer das Werk verfassen mussten, und lernt es schaetzen.Lesenswert.
meisterwerk der frankfurter dialektiker - Aufklärung ist von Adorno und Horkheimer als Herrschaft verstanden worden, weil es statt freie Reflexion zuzulassen, diese im Vorfeld schon verklärt und somit dem Individuum in der verwalteten und organisierten Gesellschaft erst gar keine Chance zur Selbstaufklärung läßt. Reflexion kann Aufklärung deshalb nicht sein, weil ein Moment reiner Reflexion nicht möglich ist und daher Aufklärung notwendig eine Aufklärung über Etwas sein muss. Dieses Etwas ist nach Adorno & Horkheimer aber eben schon im Kern (ausgehend von den Mythen Homers, Ovids etc) verdorben auf die Welt gekommen und genau deshalb will Kritische Theorie auch gar nicht sich in der Praxis beweisen (das hat der Rezensent unter mir nicht erkannt) weil es eben die Praxis, als für ihre Theorie blockiert betrachtet. Die Dialektik der Aufklärung betrachtet das Leben von dem Gesichtspunkte welches das Leben eben nicht ist, als welches es sich aber darzustellen versucht und eben genau deshalb ein notwendig Falsches ist.
Ein Glasperlenspiel mit einem großen Denkfehler - Adorno und Horkheimer legten mit der Dialektik der Aufklärung ein pessimistisches Weltbild vor, dass mit Schopenhauers (vernünftigerem) Pessimismus konkurrieren könnte. Eine Kampfschrift wider den Rationalismus, indem die Dialektik als untrennbare Verknüpfung zwischen Naturbeherrschung und Naturverfallenheit durch die Vernunft dargestellt wird. Hierbei begehen die beiden einen großen Denkfehler: Aufklärung wird als Herrschaft dargestellt, hingegen ist sie in Wahrheit Reflexion. Nicht die vollständige Beherrschung der Triebe und der Natur, sondern die kritische Prüfung der natürlichen Anlagen bilden das entscheidende Fundament des aufklärerischen Gedankentums. Mit ihrer Analyse schießen die beiden Vorreiter der kritischen Theorie am wahren Sinn und Inhalt der Vernunftrevolution vorbei und öffnen fehlgeleiteteten romantischen Motiven Tür und Tor, um es im Anschluss zu wagen, den Wiener Positivisten und dem großartigen Karl Popper Vorwürfe zu machen, die nicht im geringsten haltbar sind. Das Weltbild de r Frankfurter Schule ist eine gedankliche Leistung, welche leider, oder zum Glück, an der objektiven Realität scheitern muss.
Spannende und aufschlussreiche Lektüre! - Horkheimer und Adorno haben hier wahrlich mehr geliefert als nur einige philosophische Fragmente!Sie öffnen dem Leser völlig neue Perspektiven, sie vermitteln ihm Schattenseiten dessen, was wir immer wieder Lob preisen.Adorno und Horkheimer zeigen in diesem Werk brillant auf, welche Folgen die Aufklärung heraufbeschwor. Diese werden ausführlich behandelt, u. a. sei eine der Folgen die totalitären Regimes im 20. Jahrhundert.Doch die Aufklärung hatte auch negative Folgen für das Individuum , die von den Autoren aufgezeigt werden. So könne der Mensch durch die Aufklärung nicht nur aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit heraustreten, sondern auch durch andere aufgeklärte Menschen in die Unmündigkeit hineingezogen werden. Eine sicherlich sehr wichtige Erkenntnis, wenn man bedenkt mit welchen Mitteln heutzutage große Firmen Werbekampagnen erstellen, die nur darauf ausgerichtet sind Urinstinkte des Menschen zu wecken, auf die er reagiert. Möglich wurde dies nur durch ausgiebige Forschung, die den Menschen und seine Umwelt bis ins letzte Detail rationell zu erklären versucht und darum weiter und weiter forscht, bis auch das letzte Mysterium entmythisiert ist.Doch die Industrie und die Wissenschaft sind nur einige derjenigen die Horkheimer und Adorno kritisieren.Zur Sprache und Rhethorik lässt sich sagen, das Beides brillant ist. Leider auch sehr schwer zu verstehen. Die meisten Absätze müssen (wenn man nicht in schwierigen Texten geübt ist) zwei- bis drei mal gelesen werden, bis man ihren wahren Gehalt erkennt, doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.Abschließend kann man also sagen, dass dieses Werk mehr als empfehlenswert ist, da es neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnet!
Schwippschwager Homer Simpsons - Adorno fesselt, dennoch frag ich mich warum man nicht an eine Fremdwörtererklärung gedacht hat. So wälzt man sich als einfacher Prolet teilweise schon durch ein dickes Fremdwörterbuch. Doch es lohnt sich. Es ist übelstes Kopftraining, aber der Sinn bestimmter Texte, der sich mir meist auch erst durch mehrmaliges Lesen bestimmter Sätze erschloss ist, u.a. beim erfahren eines aha erlebnisses, der des Erkennens die Toten immer wieder ausgraben zu müssen um mit ihnen Theater zu spielen und somit vielleicht ein trostloser aber auch trostgebender.Auch geht es um die meistgeschundene Kreatur des Menschen, das Tier, um Relegionsgeschichte, Mythos, die Verwandlung des Manas in ein Regelwerk welches es erstmals erlaubte Beherrschte und Beherrscher zu definieren, die Trennung von Wissenschaft und Dichtung. Und das sind nur einige Punkte des ersten Essays.Platon bekommt sein Fett weg, der Buddhismus, Hegel, die bildreiche Sprache Adornos ist eine sehr schöne Erfahrung. Als weiterführende Literatur kann man dann noch so einiges empfehlen.Lichtenbergs Aphorismen, Essays Houellebecqs der ja eine neue Ontologie fordert, die Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner, Helge Schneider.Bleibt zu sagen, ein Buch das vor allem die begeistern wird, die sich vorher nur mit unzureichend wenig Material über Diogenes versorgt sahen.